Der lateinische Satz als "love-story"-
(k)ein Märchen


Teil I: Gegensätze ziehen sich an...
Aus Wörtern wird ein Satz.


Es war einmal ein Nomen und ein Verbum. Die glaubten doch tatsächlich, ein „Satz" werden zu können.

Etwas Gegensätzlicheres kann man sich kaum vorstellen. Doch Gegensätze gibt es viele, z.B. Feuer - Wasser; Mann - Frau...
Nennen wir mal unser Nomen „Marcus“, unser Verbum „legere“ (lesen).



Nomen                                                                  Verbum
„Marcus“                                                            „legere“
(z.B. Marcus)                                                           (z.B. lesen)



























Völlig unterschiedlich ließen sich Nomen und Verbum behandeln:


So standen sie eine Zeit lang herum, wohl in der Nähe, aber jedes für sich. Die Leute, die vorbei kamen, lasen: „Marcus lesen“ und dachten: Das klingt ja blöd!

Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an…

Eines Tages verliebten sich das Nomen und das Verbum, so wie sich Mann und Frau (wie man weiß: auch Gegensätze) verlieben können.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel         schlug es bei ihnen ein, oder anders:

























Es machte „Klick“ und Nomen + Verbum wurden ein "Paar".



Subjekt (als "Single": Nomen) (als "Single": Verbum) Prädikat
Marcus                                                                   legit.
Markus                                                                       liest.


In dieser Partnerschaft übernahm dasNomen die Rolle des Mannes, das Verbum die der Frau.


Das Nomen wurde also zum „Subjekt“,das Verbum zum „Prädikat“,

























Wie in jeder „Beziehung“ hatte sich jetzt ein Partner nach dem anderen zu richten und seine Rolle zu spielen,
musste sich zu Gunsten der Partnerschaft „deklinieren“ bzw. „konjugieren" lassen.
Mit diesem „Klick“ hatte das begonnen.

„Wer oder was?
(‚handelt’ oder ‚ist’) - war die Frage, wenn man sich nach ihm erkundigte, nach ihm, dem
Subjekt

Was geschieht? Was wird ausgesagt?
So fragte man, wenn etwas über "sie" wissen wollte, das
Prädikat

Sie nannten diese Partnerschaft übrigens:
SATZ

Jetzt konnte jeder sehen, dass die beiden zusammengehörten und alle sagten: Ein schönes Paar.

Merke: Jeder Satz hat immer zumindest ein Subjekt und ein Prädikat!

























Teil II: Vom Paar zur Familie...
Objekt und Adverbiale als Satzerweiterung



Beide hatten mehr und mehr Freude aneinander. "Ich finde Dich einfach zum Kugeln...," sagten sie sich oft gegenseitig.
Eines Tages meinten sie: „Wir sollten eine „Familie gründen.“
Also freuten sie sich bald auf ein „Kind“ und wenn sie von ihm sprachen, nannten sie es


Objekt
librum
(z.B: ein Buch)


























Subjekt                         Prädikat                         Objekt
Marcus                            legit                            librum.
Markus                                                  liest                                                  ein Buch.


Jetzt waren sie also eine "Klein-Familie", oder: Der Satz hatte sich um ein Objekt erweitert.




























Wen oder was?
(hast Du da in der Nähe)? fragte manchmal der "Vater", dieses Subjekt.
Akkusativobjekt
hieß nämlich genau genommen diese erste "Kind".


Wem? (hilfst Du)?; Für wen? bist du da?
hörte man ihn später auch mal fragen.
Dativobjekt
ein weiteres "Kind", hatte nämlich inzwischen die "Familie" vergrößert.:

























Neben den „Objektkindern“ ( meinetwegen den Mädchen) sollte das Paar auch noch andere bekommen.
Die andere „Kindersorte“ (z.B. Jungen) nannten sie


Adverbiale
libenter
(magno cum gaudio)
(z.B. „mit Freude, gern)


























Subjekt          Prädikat      Adverbiale      Objekt
Marcus           legit                libenter             librum.
Markus                        liest                          gern                                ein Buch.

Wie? Woher, wovon? Womit, wodurch? Wo, wann?
fragte man nach den neuen „Anhängseln“ meistens. Es sollten sich noch einige einstellen, nämlich die
Adverbiale            Oft erschienen sie als „Ablativ“ oder „Adverb“.

























Teil III: Die Familie und die Mode...
Attribute als (ergänzende) Beifügungen


Jedes Familienmitglied hatte, wie man sieht, bei der Kleidung seine Lieblingsfarbe: schwarz, rot, grau oder gelb.

Manchmal jedoch wollten sie noch ein Modekleidungsstück zusätzlich anzuziehen.
Wie das mit den Modeteilen so ist, man braucht sie eigentlich nicht, sie können aber ganz schön aussehen.
Sie nannten so einen „Modefummel“


Attribut
prudens; magno; amici
(z.B. „klug; groß; des Freundes)

























Klar, dass ein "Modeteil", so ein
Attribut
zur "Eigenart des Familienmitgliedes" oder zur „Form“ des Satzglieds passen muss.


Subjekt+Attribut           Prädikat        Objekt + Gen.-Attr.       Adverbiale+ Attr.
Marcus prudens       legit            librum amici            gaudio magno.
Der kluge Markus                liest                       ein Buch des Freundes              mit großer Freude.
Was für ein(e)?
"Kleidung(sstück)" (magst Du am liebsten) fragte man z.B.; dan handelte es sich um ein
adjektivisches Attribut

Bei so schicker "Kleidung", die auch anderen gefiel, war die Frage nach der Herkunft oder des Besitzes wichtig.

Wessen?
Dann fragte man nach dem
Genitivattribut

























Selbstlos, wie die „Mutter“ – das Prädikat – war, verzichtete sie zunächst mal auf solchen modischen Schnickschnack.
Ihr besonders schönes „Prädikatsattribut“ soll ein andermal vorgestellt werden.
Dafür wurde das Prädikat durch einen hervorgehobenen Platz im Satz geehrt:

Es steht gewöhnlich am Schluss.

Marcus prudens librum amici magno (cum) gaudiolegit.


























Teil IV: Was noch?
Was gibt es für Satzarten?


Wie ging es mit der „Love-story“ weiter?

Als die Familie (der SATZ) sich dann umsah,
bemerkte sie viele andere Familien (SÄTZE ) in ihrer Umgebung –
ihre Heimat war nämlich ein Buch, vielleicht auch eine Homepage.


Manche "Familien" hatten darin „viel zu sagen“: Diese nannte man

HAUPTSÄTZE.

Man konnte und kann die unterschiedlichen an ihren Satzzeichen erkennen.

"." am Ende sagte: Aussagesatz: Marcus librum legit. Marcus liest ein Buch.

"?" am Ende hieß: Fragegesatz: Marcus librum legit? Liest Marcus ein Buch?

"!" am Ende hieß: Begehrssatz: Marcus librum legat! Marcus soll ein Buch lesen!

























Manche "Familien" spielten und spielen - wie leider im richtigen Leben - eine untergeordnete Rolle:
So im Vergleich zu den Hauptsätzen auch die

GLIED (=NEBEN) SÄTZE,
weil sie Satzglieder (Objekt, Adverbiale oder Attribut) vertreten.

Beispiel mit einem
Adverbiale:
In diesem Beispiel ist die Botschaft immer "libenter" (gern), mal kurz als Adverb,
etwas länger als Adverbiale + Attribut "magno cum gaudio" (mit großer Freude)
oder wenn die Botschaft zu einem adverbialen Gliedsatz "aufgeblasen" wird: "quod eum semper et valde delectat" (weil es ihm immer sehr viel Freude macht)

Ein Satzglied verhält sich zum Gliedsatz wie ein

                        Tischtennisball           zum Tennisball                                      oder gar Fußball.
                            Adverb            Adverbiale+Attribut                     adverbialer Gliedsatz

                        
Marcus legit         libenter             magno cum gaudio    ,quod eum semper et valde delectat.
Marcus liest            gern                     mit großer Freude                    ,weil es ihm immer sehr viel Freude macht.



























GLIED (=NEBEN) SÄTZE
konnte und kann man übrigens immer gleich erkennen. Woran? Sie haben eine
„Einleitung“

Ein Objekt satz ist z.B. ein indirekter Fragesatz:
Non ignoro, quid Marcus legat. Ich weiß genau, was Marcus liest.

Ein Adverbial satz ist z.B. ein Temporalsatz:
Marcus, cum legit, prudentior fit. (Immer) wenn Marcus liest, wird er klüger.

Ein Attribut satz ist z.B. ein Relativsatz:
Marcus, qui saepe legit, prudentior fit. Marcus, der oft liest, wird klüger.

























In einem Buch waren und sind alle, Haupt- wie Gliedsätze miteinander zu einen sinnvollen Text „verwoben“.
Sätze hatten und haben (z.T. unverzichtbare) Gemeinsamkeiten. Bei aller Liebe: sententia et vis amoris

Sätze
- ganz gleich, welche - hatten und haben


immer: Prädikat und Subjekt („Mutter“ und „Vater“)


























Sätze haben sehr oft: Objekt und Adverbiale („Mutters Kinder“)


























dazu noch : Attribute („Modefummel“)


Und weil so viel geschrieben wird, so gibt es sie noch heute…

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Hans-Jürgen Günther 2011

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